Den Science-Fiction-Film „Avatar“ wollten Millionen Kinobesucher in 3D sehen. Die Geschichte um die blauen „Na‘vi“ hat einen Trend gesetzt, sagt Kino-Mann Andreas Kramer. Er ist der Geschäftsführer des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater und hat mit uns über die Zukunft von 3D gesprochen. Von ihm wollten wir auch wissen, was eigentlich im Kino getan werden muss, damit der Effekt entsteht.
X-ray: Wie muss sich ein Kino ausrüsten, um zum 3D-Kino zu werden?
Andreas Kramer: Wir befinden uns gerade auf dem Sprung in die Digitalisierung. Die in Projektoren abgespielten Filmrollen werden abgelöst von einer digitalen Projektion. Viele Kinos investieren zurzeit gleich in einen digitalen 3D-Projektor. So eine Investition kostet rund 120 000 Euro. Hinzu kommt, dass digitale Projektoren sehr warm werden. Die Vorführräume müssen deshalb meist noch einmal klimatisiert werden, was bis zu 10 000 Euro zusätzlich kosten kann.
Wie viele Kinos in Deutschland bieten schon den Filmgenuss in 3D?
Kramer: Das können wir nur schätzen, denn hierzulande wird täglich umgerüstet. Wir gehen davon aus, dass es aktuell rund 800 digitale Projektoren in Deutschland gibt. Über 400 davon dürften 3D-Projektoren sein. Unsere Prognose ist, dass wir zum Jahresende 2010 aber schon rund 1000 digitale Projektoren haben werden. Für viele Kinos ist 3D ein wichtiger Faktor, um neue Besuchergruppen für das Kino zu begeistern und bestehende zu halten. Denn 3D wird von den Besuchern stark nachgefragt. Zudem ist es ein neues Geschäftsmodell in allen Bereichen, sprich Kopie, Technik, Vorführung. Auch wenn zunächst ein erhöhter Ticketpreis zur Kostendeckung der Anschaffungen nötig ist.
Wir Kinobesucher müssen für den Effekt also mehr zahlen. Wie hoch fällt dieser Aufschlag aus?
Kramer: Das ist je nach Region unterschiedlich. Mein Eindruck ist, dass der Aufpreis zwischen zwei und drei Euro liegt. Darin enthalten ist auch die Brille.
Der Trend bei den Kinos geht hin zu 3D – auch bei den Filmemachern?
Kramer: Es gibt große Erwartungen an 3D, schließlich unterscheiden diese Filme sich sehr stark von dem, was man bisher kannte. Filme wie „Avatar“ wurden von Anfang an für 3D produziert, das hat noch einmal einen Qualitätsschub gebracht. Inzwischen werden auch kleinere Experimentalfilme gezielt für diesen Effekt gedreht. Der Regisseur Wim Wenders zum Beispiel macht gerade einen Film über die verstorbene Choreografin Pina Bausch. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Anteil der Filme, die von Anfang an in 3D gedreht werden, zunimmt.
Wird es irgendwann vielleicht gar keine 2D-Filme mehr geben?
Kramer: Nein, die gibt es auch weiterhin. Man muss nicht jeden Film in 3D vorführen. Es gibt Filme, die sind einfach großes Kino – und zwar in 2D. Ich rechne mit einem festen Sockel an 3D-Filmen, der sich im Kinoprogramm etablieren wird, aber nicht damit, dass es nur noch solche Filme gibt.
Wofür entscheidet sich die Mehrheit des Publikums, wenn es die Wahl hat?
Kramer: Derzeit unterscheiden wir bei den Gesamt-Besucherzahlen noch nicht zwischen 2D und 3D. Bei Filmen wie „Ice Age 3“ oder „Avatar“ haben wir aber gesehen, dass die Leute sich mit großer Mehrheit für die 3D-Variante entscheiden. Der Anteil lag bei über 70 Prozent. Bei „Avatar“ ist die Nachfrage zudem so ungebrochen groß, dass der Film erneut in den Kinos gezeigt wird, obwohl inzwischen die DVD-Version verkauft wird.
Welches sind die erfolgreichsten Filme, die in 3D gezeigt wurden?
Kramer: Der erfolgreichste Film und Trendsetter war und ist ganz klar „Avatar“. Diesen Erfolg einzuholen wird sicher sehr schwierig. Aber auch „Alice im Wunderland“ oder aktuell „Für immer Shrek“ laufen sehr erfolgreich in 3D.